Elterntipps :-)
…oder: unser Karl muß Nationalspieler werden
1. Unser Kind ist der beste Spieler in der Mannschaft. Er wird von den anderen nur nicht verstanden. Sorgen Sie dafür, daß jeder in Ihrer Nähe dies mitbekommt.
2. Legen sie Wert darauf, daß Ihr Schützling sich für den einzig wahren Fussballer hält.
3. Wenn der Trainer ihn auf die Auswechselbank setzt, ist er ein Dummkopf – und dies müssen Sie ihm in deutlichen Ausdrücken klarmachen.
4. Diskutieren sie kräftig mit dem Schiedsrichter, schließlich sehen Sie an der Linie alles besser als er.
5. Versprechen Sie Ihrem Kind für jedes Tor 5 Euro, das fördert den Offensivfußball.
6. Laufen Sie am Spielfeldrand immer auf Ballhöhe, so können Sie das Spiel am besten kontrollieren und die Spieler und den Trainer lautstark auf ihre Fehler aufmerksam machen.
7. Erklären Sie Ihrem Sprößling, daß er auf Sie hören soll und nicht auf die unqualifizierten Hinweise des Trainers.
8. Sie wissen, daß Ihr Jugendtrainer eigentlich ganz nett ist, aber sonst keine Ahnung vom Fußball hat. Machen Sie ihm dies gelegentlich klar und sagen Sie ihm, daß Ihr Kind nie auf die Ersatzbank gehört.
9. Kümmern Sie sich vor allen Dingen rechtzeitig um den Transfermarkt, denn schließlich sind viele Klubs an Ihrem Kind interessiert und für einen Wechsel gibt es vielleicht einen Trainingsanzug oder ein Paar Fußballschuhe. Und das ist doch schnell verdientes Geld!
Werden Sie einfach für ein Jahr Jugendtrainer, das hilft garantiert, alle obigen Fehler zu vermeiden!!
Die Antwort des Kindes von Renate-Katarina Oswald
Ich weiß noch, wie verdorben wir Eltern waren, als unser Sohn Fußball zu spielen begann.
Er war siebeneinhalb, und ich nahm ihn eines Tages an der Hand und ging mit ihm in den nächstgelegenen Verein, der eine Schülermannschaft hatte. Das Training nahm er ernst, aber er vergaß es auch immer wieder, über einem anderen Spiel, einem Freund, einer Fernsehsendung. Natürlich waren seine ersten Einsätze in der E-Mannschaft große Ereignisse für ihn, aber auch wieder nicht so groß, dass er nicht Termine und Treffpunkte vergessen hätte und nicht wusste, wo gespielt wurde und gegen wen. Der Vater regte sich auf. „Interesselosigkeit“, sagt er. Ich rege mich auf. Und doch spürte ich die ganze Zeit, dass um ihn, diesen Sohn, noch ein Geheimnis war, das wir Erwachsenen verloren hatten. Ich kam nicht dahinter. Wenn wir unseren Sohn nach einem Spiel fragten, konnten wir kaum fassen, dass er die Position nicht genau bezeichnen konnte, die er gespielt hatte, und dass er Mühe hatte, die Tore zusammenzubringen, die seine Mannschaft geschossen hatte. Ich dachte immer: das Ergebnis eines Spieles scheint nicht wichtig für ihn zu sein. Wie gibt es das bei jemand, der begeistert Fußball spielt? Es ist sein Leben, wenn er mit einem Ball losziehen kann. Ich sehe wie glücklich er ist, wie gibt es das? Darauf gibt es von Erwachsenen keine Antwort. Die Antwort des Kindes, die ein Kind nicht geben kann, sondern die man nur finden kann, wenn man als Erwachsener plötzlich wieder das Kind sein kann, ist: alles, was uns Erwachsenen an einem Spiel wichtig und bedeutsam geworden sein mag, ist es nicht für das Kind. Wichtig und bedeutsam für das Kind allein ist das Spiel selbst, das selbst-vergessene Sich-Überlassen-Können, das absichtslose Tun. Man braucht nur den Ball und die Wiese und ein paar Kinder. Das Wettspiel ist noch ein Spiegel dieses ursprünglichen Spiels. Der Schiedsrichter ist eigentlich überflüssig. Die Faszination, die von dem Ball ausgeht, der so leicht und zugleich so schwer zu spielen ist, den man nie ganz unter Kontrolle bekommt, ist ungebrochen. Der Gegner ist noch nicht so verbissen. Das Spiel ist noch nicht verkrampft. Wo das Spiel stattfindet, gegen wen gespielt wird, wie das Ergebnis lautet, ist zweitrangig. Die Magie des Spiels hält das Kind noch in Atem. Es kann noch nicht Kampf sein. Und wir Eltern sagten: „Du hättest mehr kämpfen sollen“. Unser Sohn schwieg meist. Er konnte sich dagegen nicht wehren. Er wusste, da war etwas, was noch zu lernen und doch noch nicht wichtig genug war, um es zu lernen. Wir Erwachsenen sind schon so lange aus dieser Welt vertrieben worden, in der es nicht wichtig ist, zu kämpfen. Man sieht es unseren Spielern an. Wir spielen um Ruhm, um Geld, um Ansehen, wir produzieren uns, wir kompensieren unsere verlorenen Träume mit Geld. Oh, was für schlechte Spiele Bundesligaspiele sind gegenüber den Spielen der E-Schüler. Ein Kind muss sein Paradies verlassen. In der D-Jugend spürt man schon die Linien regelmäßigen Trainings, den Aufbau der Technik, man sieht Fortschritte in der Ballbehandlung und im gegenseitigen Zuspiel, im Spielfluss überhaupt. Und doch erkennt man den eigenen Sohn immer noch nicht wieder, wenn er umwechselt von Trainings- und Freizeitspielen auf das Wettspiel. Du zeigst im Training ganz andere Leistungen, sagt man zu ihm, du spielst mit deinen Freunden viel frecher, du lässt dich nicht abdrängen, du gehst nach, du lässt dir den Ball nicht wegschnappen. Im Punktspiel erkennt man dich nicht wieder. Ich glaube, dass unser Sohn sich oft diese und ähnliche Kritik angehört hat, schweigend. Aber an irgendeinem Tag sagte er plötzlich zu mir: „Es ist etwas ganz anderes, Mama, gegen einen Freund zu spielen, den man gut kennt, als gegen einen Unbekannten, gegen einen Gegner. Bei einem Freund gehe ich ganz anders hin, denn ich weiß genau, was er kann und was ich kann und ich weiß, was ich mir mit ihm zutrauen kann. Und außerdem ist es ein Spiel, in dem nichts zählt. Im Punktspiel habe ich Angst, einen Fehler zu machen oder ein Foul zu begehen, wenn ich zu nahe an ihn rangehe, ich Kenn mich da nicht so aus, und jeder Schiedsrichter ist anders. Der Junge ist mir fremd, ich weiß nicht, was wir beide können. Das ist kein Spiel, Mama“. Der Junge kommt schon noch, hatte der Trainer immer wieder gesagt, wenn wir Eltern skeptisch waren, dieser Junge spielt auch mit dem Kopf. Er hat Phantasie. Unser Sohn wuchs in verschiedene Rollen hinein. Lange war er Verteidiger. Er war sicher und schnell. Wenn der Trainer sagte: „Der Rechtsaußen der anderen Mannschaft gehört dir, du sorgst dafür, dass der kein Tor schießt“, dann schoss die Nr. 7 der gegnerischen Mannschaft kein Tor. Aus dem Reservespieler wurde ein Stammspieler. Als der Trainer zum ersten mal sagte: „Dich brauche ich“, war es mehr für unseren Sohn, als wir ihm je an Lob hätten spenden können. Der Trainer ist ein Glücksfall für die Buben. Er ist ruhig, besonnen, einfühlsam, ein wahrer Freund, ausgleichend und sehr gerecht. Ich bewundere ihn, wie ruhig und gelassen er mit seinen Buben in den Halbzeitpausen spricht, denn ich habe auch tobende Trainer am Spielfeldrand gesehen. „Träum etwas Schönes“, hatte ich vor ein paar Monaten zu meinem Sohn vor dem Einschlafen gesagt, „träum von deinem ersten Fußballtor, das du irgendwann schießen wirst“. „Aber, Mama“, hatte er erwidert, „ich bin doch linker Verteidiger“. Nun ist er Mittelstürmer geworden und hat seine ersten Tore geschossen, und ich habe sie nicht gesehen. Ich habe immer noch Spielplatzverbot. Vielleicht war es gut so, vielleicht hätte ich irgendetwas falsch gemacht in dem Augenblick, als dieser Traum in Erfüllung ging. Denn ich hatte mit ihm gespürt, wie sehr er selbst darauf gewartet hatte. Als ich ihn stolz in die Arme schloss, zuhause, lächelte er sein ruhiges Lächeln: „Ach, Mama, das ist doch gar nichts, deswegen brauchst du dich doch nicht so aufzuregen“. Nur das Leuchten seiner Augen verriet ihn. Er hat in darauffolgenden Spielen schöne entscheidende Tore geschossen, und er hat gegen schwere Gegner keine Chance gehabt. Ich werde keine Tore von ihm erwarten, denn es wird für immer sein Spiel und sein Traum sein. Ich weiß, dass er sich sein Spiel nicht von Fußballeltern, Schiedsrichtern oder Gegnern nehmen lassen wird. Er spielt jetzt in der C-Jugend. Er ist stark und ausgeglichen. Manchmal glaube ich, er könnte ein Spieler werden, der Ball spielt mit dem Fuß und mit dem Kopf.
Vater vergisst von W. Livingston Larned
Gewissensbissen. Reumütig stehe ich nun an deinem Bett. Ich musste daran denken, dass ich böse mit dir war, mein Sohn. Ich habe dich ausgescholten, während du dich anzogst, weil du mit dem Lappen nur eben über dein Gesicht gefahren bist. Ich stellte dich zur Rede, weil deine Schuhe schmutzig waren. Ich machte meinem Ärger hörbar Luft, weil du deine Sachen auf den Boden fallen ließest. Auch beim Frühstück fand ich manches auszusetzen. Du verschüttetest den Inhalt deiner Tasse. Du schlangst das Essen hinunter. Du stütztest die Ellenbogen auf den Tisch. Du strichst die Butter zu dick aufs Brot. Als du zu deinen Spielsachen gingst und ich mich auf den Weg zur Arbeit machte, da hast du dich umgedreht, gewinkt und mir zugerufen: „Auf Wiedersehen, Daddy!“ doch ich runzelte die Stirn und gab zur Antwort: „Halte dich gerade und mach keinen solchen Buckel!“ Am späten Nachmittag ging es von neuem los. Als ich die Straße heraufkam, sah
ich, wie du auf dem Boden und mit Murmeln spieltest. Die Strümpfe waren an den Knien durchgewetzt. Ich beschämte dich vor deinen Freunden und befahl dir, vor mir her ins Haus zu gehen. Strümpfe sind teuer – wenn du sie selber kaufen müsstest, würdest du mehr Sorge dazu tragen! Das, mein Sohn, warf dir dein Vater vor! Weißt du noch, später, als ich meine Zeitung las, da kamst du in die Bibliothek, schüchtern, in deinen Augen eine Spur von Traurigkeit. Als ich über den Rand der Zeitung blickte, ungeduldig, weil ich nicht gestört sein wollte, da bliebst du in der Tür stehen. „Was willst du?“ schnauzte ich dich an.
Du sagtest nichts, stürmtest nur mit einem Satz durchs Zimmer, warfst mir die Arme um den Hals und küsstest mich, und deine kleine Arme drückten mich mit einer Zuneigung, die Gott selber in dein Herz gepflanzt hat und die trotz aller Vernachlässigung immer weiterblühte. Plötzlich warst du weg, ich hörte dich die Treppe hinauftrappeln. Kurz nachdem du weggegangen warst, mein Sohn, glitt mir die Zeitung aus den Händen, und eine grauenhafte Angst erfasste mich. Was war aus mir geworden? Vorwürfe und Tadel ohne Ende – damit vergalt ich dir, dass du ein Kind warst. Nicht dass ich dich nicht liebe – ich habe nur zu viel von dir erwartet und dich nach dem Maßstab meiner eigenen Jahre beurteilt, als ob du schon erwachsen wärst. Dabei ist doch so manches an dir gut und schön und echt gewesen. Dein kleines Herz war groß wie der erwachende Tag hinter den Hügeln. Das zeigte sich in deinem plötzlichen Entschluss, auf mich zuzustürmen und mir einen Gutenachtkuss zu geben. Das ist das Wichtigste, mein Sohn, alles andere zählt nicht mehr. Ich bin in der Dunkelheit an dein Bett geschlichen und habe mich beschämt daneben hingekniet.
Das ist ein schwaches Bekenntnis; aber ich weiß, du würdest nicht verstehen, was ich meine, wenn ich dir alles bei Tageslicht erzählen würde. Doch von morgen an werde ich ein richtiger Daddy zu dir sein. Wir werden dicke Freunde werden, und ich werde mit dir traurig sein, wenn du traurig bist und mit dir lachen, wenn du lachst. Eher werde ich mir die Zunge abbeißen, als ein vorwurfsvolles Wort aus meinem
Mund zu lassen. Und unablässig werde ich mir sagen: „Er ist ja noch ein kleiner Junge, nichts als ein kleiner Junge!“ Ich fürchte, ich habe dich als Mann gesehen. Doch wenn ich dich jetzt anschaue, wie du müde und zusammengekauert in deinem Bettchen liegst, dann sehe ich, dass du noch ein kleines Kind bist. Erst gestern noch trug dich deine Mutter auf dem Arm, und dein Köpfchen lag an ihrer Schulter. Ich habe zu viel von dir verlangt, viel zu viel
